Aktuelle Rechtssprechung

Aufenthaltsrecht - Wechselmodell

Eine Woche bei Papa, eine Woche bei Mama:

 

Trennungskinder haben es meist besonders schwer, insbesondere wenn die Eltern sich im Streit befinden. Es war in den letzten Jahrzehnten daher stets Praxis der Familiengerichte, einem Elternteil das Aufenthaltsrecht des Kindes zuzusprechen. Meist war dies die Mutter. In den letzten Jahren hat sich jedoch gezeigt, dass auch die Väter immer größeres Engagement bei der Kinderbetreuung zeigen. Die bisherige Rechtsprechung setzte diesem jedoch oftmals dahingehend Grenzen, dass die Väter lediglich aller 14 Tage an den Wochenenden und zu bestimmten Ferienzeiten engen Umgang mit ihren Kindern pflegen konnten.

 

Dem Rechnung tragend, wurde es in den letzten Jahren zunehmend möglich, bei Zustimmung beider Elternteile das sogenannte "Wechselmodell" zu praktizieren. Dabei hält sich das Kind oder die Kinder jeweils im Wochenwechsel bei der Mutter und dann beim Vater auf.

Nunmehr hat der Bundesgerichtshof (BGH) in einer Entscheidung festgestellt, dass grundsätzlich nichts gegen ein Wechselmodell einzuwenden ist, selbst für den Fall, dass sich der andere Partner damit nicht einverstanden erklärt und somit keine Einigung der Eltern über diese Art des Umgangsrechtes besteht. Der BGH sagt, dass eine solche Entscheidung aber nur dann getroffen werden kann, wenn die geteilte Betreuung dem Kindeswohl am besten entspricht. Demzufolge muss ein Elternteil, welches die Beendigung des althergebrachten "Residenzmodells" begehrt und auf ein Wechselmodell drängt beweisen, dass die Bindung des Kindes an beide Elternteile so groß ist und die äußeren Umstände es rechtfertigen, dass der wöchentliche Wechsel des Aufenthaltes des Kindes bei der Mutter und dem Vater besser dem Kindeswohl und dessen Entwicklung dient, als der primäre Aufenthalt bei einem der Parteien.

Wenn die Gerichte in Zukunft dazu auch mehr und mehr Grundsätze erarbeiten werden, wird eine Entscheidung zu Gunsten eines Wechselmodells stets von den konkreten, individuellen Verhältnissen des jeweiligen Falls abhängig sein.

 

 

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